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Erlebnisbericht Umwelterlebniswochen in Wustrow 2003 |
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"Na, dann mal los" sagte der Busfahrer, als endlich alle in den Bus eingestiegen waren
und wir zu unserer Tour nach Wustrow starten konnten. Fast 50 Leute aus Deutschland und
Tschechien sind wir geworden. Alle sind riesig gespannt, was uns erwarten wird.
Ich bin noch ein bisschen aufgeregter als die anderen, denn es ist die erste große
Freizeit, die ich als Teamer betreuen werde. Unser Ziel ist Wustrow am Plätlinsee, bei
Neustrelitz am Rande des Müritz-Nationalparks gelegen. Eine Traumlandschaft aus
unzähligen Seen, romantischen Kiefernwäldern und gemütlichen kleinen Städten. Wer es
literarisch mag, kann mit Theodor Fontane und seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg"
oder auch Kurt Tucholskys "Rheinsberg" die Region kennen lernen.
Nach fünf Stunden Fahrt kommen wir im Ferienzentrum "Am Plätlinsee" an. Direkt am See
gelegen und mit Bungalows ausgestattet ist es ideal für eine Ferienfreizeit geeignet.
Während die Teilnehmer ihre Zimmer beziehen und erste Rundgänge auf dem Gelände machen,
beginnt für uns Teamer der Stress. Die Selbstversorgerküche muss eingerichtet, der
Materialraum eingeräumt, wichtige Unterlagen und Medikamente der Kids müssen eingesammelt
und erste Konflikte geschlichtet werden. Gut, dass wir das vorher durchgesprochen haben
und jeder weiß, was er zu tun hat.
Nach dem Abendbrot steht kennen lernen auf dem Programm. Einen Sack voll Spiele haben
wir dafür vorbereitet mit viel Bewegung und Spaß. Dass wir unser Ziel erreicht haben,
hört man abends, als ein buntes Stimmengewirr aus den Zimmern dringt. Währenddessen sitzen
wir im Team beisammen und planen die nächsten Tage.
"Piraten" soll das Oberthema für unsere Aktivitäten werden. Dafür müssen Workshops
vorbereitet und Material besorgt werden. Zwei Ausflüge nach Rheinsberg und in den
Nationalpark wollen wir machen, dazu Fahrrad- und Bootstouren organisieren. Wir planen
ein Piraten- und ein Neptunfest. Das Gelände eignet sich gut für Volleyball, Fußball und
Tischtennis. Die tschechischen Teamer wollen darin auf jeden Fall Turniere veranstalten.
Bleiben noch die Disko und das Lagerfeuer vorzubereiten… Am Ende dieser Teamsitzung hat
jeder von uns einen Berg voll Aufgaben vor sich, aber alle freuen sich auf das Camp. Ich
betreue den Workshop für den Floßbau und werde die Kanutour vorbereiten.
Aus Holzresten vom Camp entsteht in den nächsten Tagen ein imposantes Gefährt. In meiner
Gruppe sind deutsche und tschechische Kids. Am Anfang läuft die Verständigung noch etwas
holprig, aber die gemeinsame Aufgabe schweißt die Gruppe schnell zusammen. Auf der
Jungfernfahrt ist echte Kooperation gefragt. Jeder muss mit anpacken und allzu sehr wackeln
darf auch keiner. Aber es gelingt und am Ende dieses Tages proben wir schon die Eroberung
der Festung "Wustrowia".
Natürlich fällt auch den Teilnehmern auf, dass Piraten eher auf großen Segelschiffen über
die Weltmeere zogen. Aber unsere Piraten-Gang hat sich auf Seen spezialisiert und begründet
die "Floßpiraten". Diese sind keine gefährlichen Räuber, sie kämpfen lieber gegen
Umweltverschmutzung. Zum Beispiel nehmen sie Wasserproben auf den Seen und überprüfen
die Verschmutzung. Wie zu erwarten, sind die stärksten Verschmutzungen an den Badestellen
festzustellen. Woraufhin die Floßpiraten beschließen eine Piratenversammlung einzuberufen.
Dort wird in den Ehrenkodex aufgenommen, dass Piraten nicht ins Wasser pinkeln.
Nach ein paar Tagen habe ich das erste Mal Küchendienst. Selbstverpflegung gehört bei der
Naturfreundejugend mit zum Programm. Den Einkauf erledigen Teamer und Küchengruppe gemeinsam.
Dabei wird auch darauf geachtet Lebensmittel aus der Region zu kaufen und bei Obst und
Gemüse auf das saisonale Angebot zu achten.
Bei einer internationalen Jugendbegegnung kommen noch die eventuellen Besonderheiten der
Essgewohnheiten der Partnergruppe hinzu. Zwischen deutscher und tschechischer Küche sind
die Unterschiede nicht allzu groß. Natürlich verwöhnen uns die Tschechen auch einmal mit
Knedliky (Knödel) und wir Thüringer präsentieren unsere Rostbratwurst, aber Spaghetti
Bolognese oder Eierkuchen werden überall gern gegessen.
Für mich als Teamer beginnt dieser Tag schon um sieben Uhr früh. Teewasser aufsetzen und
Kaffee kochen, dann die Küchengruppe wecken und gemeinsam die Tische decken, nach dem
Essen Großabwasch in der Küche und aufräumen. Kaum sind wir fertig, beginnen auch schon
die Vorbereitungen für das Mittagessen. Kartoffeln schälen und Gemüse putzen, danach eine
kurze Pause und dann beginnt das Schnitzel braten. Noch eine kleine Pfanne mit
Gemüsebratlingen für die Vegetarier und die gesamte Küche ist ein einziges Gewusel. Am
späten Nachmittag ist endlich Zeit für eine größere Pause. Ich bin ziemlich geschafft,
aber die Teilnehmer sind froh, weil es allen geschmeckt hat und sie viel Lob bekommen
haben. Nun steht uns nur noch das Abendbrot bevor, für ein eingespieltes Team wie uns
ist das jedoch keine Prüfung mehr.
Als wir auf der Teamsitzung über die Abschlussfeier beraten, wird mir plötzlich bewusst,
dass die zwei Wochen schon wieder vorbei sind. Die Zeit verging wie im Flug und ich bin
stolz, dass alles so gut gelaufen ist. Beim nächsten Mal "Wustrow" bin ich auf jeden Fall
wieder mit dabei.
Matthias Birle, Naturfreundejugend Gotha
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